Was diese Moleküle sind

Von 95.442 französischen Erwachsenen nahmen die meisten Lecithine (E322), Mono- und Diglyceride (E471) sowie Carrageen (E407) zu sich, aber nur wenige Carboxymethylcellulose (E466) oder Polysorbat 80 (E433) 1.

Was bei der Verdauung mit ihnen geschieht

Verdauungsenzyme bauen Mono- und Diglyceride sowie Lecithine ab; Carboxymethylcellulose dagegen gelangt unverändert in den Dickdarm 234. Bei mehreren Spezies finden sich 98 bis 100 % des oral zugeführten Carrageens in den Fäzes wieder, bei Freiwilligen 90 bis 97 % des Polyoxyethylen-Molekülteils von Polysorbat 80 56.

Um welche Barriere es geht

Im Dickdarm von Mäusen ist die innere Schleimschicht frei von Bakterien 7.

Was Studien am Menschen gemessen haben

Bei gesunden Erwachsenen, die 11 Tage lang täglich 15 g Carboxymethylcellulose erhielten, veränderte sich die Zusammensetzung der Darmbakterien, die Entzündungsmarker dagegen nicht 8. Bakterien drangen bei 2 von 7 Teilnehmenden in die innere Schleimschicht vor, gegenüber 0 von 9 Kontrollpersonen (p = 0,175) 8. Bei Morbus Crohn unterschied sich die Remissionsrate nach 4 Wochen zwischen emulgatorreicher und emulgatorarmer Kost nicht (9 von 12 und 7 von 12; p = 0,67) 9. Bei Colitis ulcerosa trat innerhalb eines Jahres bei 3 von 5 Patientinnen und Patienten unter Carrageen ein Rezidiv auf, unter Placebo bei 0 von 7 (p = 0,046 im Log-Rank-Test) 10.

Was die Kohortenstudien ergaben

In französischen Kohorten gingen einige Emulgatoren mit einem geringfügig erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes einher 11112. Während einer medianen Nachbeobachtung von 7,4 Jahren betrugen die Hazard Ratios für Herz-Kreislauf-Erkrankungen je Standardabweichung der Zufuhr 1,03 (95-%-Konfidenzintervall 1,01 bis 1,05) für Carboxymethylcellulose und 1,07 (1,04 bis 1,11) für Mono- und Diglyceride insgesamt 1. Während einer mittleren Nachbeobachtung von 6,7 Jahren lag das modellierte absolute Risiko, bis zum Alter von 60 Jahren an Krebs zu erkranken, in den Kategorien der E471-Zufuhr bei 11,2 %, 11,8 % und 12,4 % 11. Im obersten Drittel der Zufuhr betrug die Hazard Ratio für Krebs 1,15 (1,04 bis 1,27) 11. Während einer mittleren Nachbeobachtung von 6,8 Jahren lag die Hazard Ratio für Typ-2-Diabetes je 100 mg Carrageen pro Tag bei 1,03 (1,01 bis 1,05) 12.

Befunde aus Tier- und Laborversuchen

Bei Mäusen, die 12 Wochen lang Trinkwasser mit 1,0 % Carboxymethylcellulose oder Polysorbat 80 erhielten, verringerte sich der Abstand zwischen den Darmbakterien und der Darmschleimhaut um mehr als die Hälfte 13. Die Mäuse entwickelten eine niedriggradige Entzündung 13. Bei keimfreien Mäusen blieben diese Wirkungen aus 13. Die Dosis von 1,0 % liegt weit über der Exposition des Menschen gegenüber Polysorbaten 6.

Behördliche Grenzwerte

Die europäischen Risikobewerter legten nur für Polysorbate und für Carrageen eine zulässige Tagesdosis (ADI) fest: 25 mg je kg Körpergewicht beziehungsweise vorläufig 75 mg 65423. Im Szenario markentreuen Verzehrs betrug die Carrageen-Exposition im 95. Perzentil bis zu etwa das Zehnfache der zulässigen Tagesdosis 5.