Schwerwiegende Schäden

Colecalciferol ist Vitamin D3; es wird zur Vorbeugung und Behandlung eines Vitamin-D-Mangels sowie begleitend zur Osteoporosetherapie verordnet 12.

ErkrankungHäufigkeitErhöhtes RisikoQuelle
Hyperkalzämie; bei schwerem Verlauf Arrhythmie, Koma, TodGelegentlich (1 von 1000 bis 1 von 100); über 3 Jahre 9 von 102 unter täglich 10.000 IU gegenüber 0 von 109 unter 400 IU, alle Fälle leichtÜberdosierung; Leukämie, Lymphom, Sarkoidose; Einnahme von Thiaziddiuretika1342
Irreversible Nierenschädigung; WeichteilverkalkungNicht quantifiziertChronische Überdosierung; eingeschränkte Nierenfunktion12
HarnwegssteineÜber 7 Jahre 449 von 18.176 gegenüber 381 von 18.106 (HR 1,17; 1,02 bis 1,34)Postmenopausale Frauen, die Calcium einnehmen5
Stürze und Frakturen500.000 IU jährlich: Stürze 83,4 gegenüber 72,7, Frakturen 4,9 gegenüber 3,9 je 100 Personenjahre (2256 Frauen); 100.000 IU monatlich gegenüber einer Standarddosis: Stürze 1,47 gegenüber 0,63 je Personenjahr (107 Bewohnerinnen und Bewohner)Frauen ab 70 Jahren; Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen67
Schwere Stürze; Stürze mit Krankenhausaufnahme7,5 gegenüber 4,1 und 4,8 gegenüber 2,0 je 100 Personenjahre unter täglich 1000 bis 4000 zusammengefasst gegenüber 200 IU (688 Personen); unter 2000 IU Krankenhausaufnahme oder Tod 33,6 gegenüber 12,1, Studienarm abgebrochenAb 70 Jahren, erhöhtes Sturzrisiko8
Infantile Hyperkalzämie mit NephrokalzinoseGeschätzt 1 von 32.465 Geburten in Polen (Form mit CYP24A1)Biallelischer Funktionsverlust von CYP24A1 oder SLC34A19
Überdosierung bei Säuglingen mit Koma, Arrhythmie, dauerhafter NierenschädigungNicht quantifiziertZu große Dosierpipetten10
Anaphylaxie; AngioödemNicht quantifiziertErdnuss- oder Sojaallergie (importierte Kapseln); im Übrigen nicht angegeben111

Bei einer Intoxikation reichert sich 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D, an, und das Parathormon (PTH) wird supprimiert; Knochenresorption und Aufnahme im Darm erhöhen das Calcium 12. Eine britische Fachinformation gibt die Intoxikationsschwelle für Erwachsene mit täglich 40.000 bis 100.000 IU über 1 bis 2 Monate an; Säuglinge können auf weit geringere Mengen reagieren 2. Nach dem Absetzen normalisiert sich das Calcium im Lauf von Wochen bis Monaten; Schäden am Weichteilgewebe können bleibend sein 212.

Weitere beeinflusste Stoffwechselwege

Calcitriol wirkt in vielen Geweben und reguliert direkt oder indirekt etwa 3 % des Genoms 12.

GewebeMechanismusBeim Menschen gemessen
NebenschilddrüsenCalcitriol supprimiert die Transkription des PTH-Gens und die Proliferation der Nebenschilddrüsenzellen 1819PTH 17,1 ng/L bei Hyperkalziurie gegenüber 20,2 ohne Hyperkalziurie 12
KnochenZusammen mit PTH aktiviert Calcitriol die Osteoklasten 19Über 3 Jahre sank die Dichte am Radius unter täglich 10.000 IU um 3,5 %, unter 400 IU um 1,2 %; die geschätzte Festigkeit blieb unverändert, die Bedeutung ist unklar 312
PhosphatCalcitriol stimuliert FGF23, das CYP27B1 supprimiert und CYP24A1 induziert; Mäuse mit Fgf23-Defizienz haben eine Hyperphosphatämie 18Unter täglich 2800 IU änderte sich FGF23 nicht signifikant (181 Erwachsene, 8 Wochen) 20
ImmunzellenIn Zellversuchen induziert Calcitriol Cathelicidin und beeinträchtigt die Reifung dendritischer Zellen 18Autoimmunerkrankungen über 5,3 Jahre 0,95 % gegenüber 1,20 % (HR 0,78; 0,61 bis 0,99); mit später bestätigten Fällen 0,85 (0,70 bis 1,04) 2114
Herz und GefäßeMäuse ohne Vitamin-D-Rezeptor (VDR) oder ohne CYP27B1 haben erhöhtes Renin, arterielle Hypertonie und Herzhypertrophie 18Kardiovaskuläre Ereignisse waren weder in VITAL (HR 0,97) noch in ViDA (HR 1,02) verringert 1322
FetusHohe Dosen waren im Tierversuch teratogen 1Bis zu 28.000 IU wöchentlich in 1300 Schwangerschaften: asymptomatische Hyperkalzämie nach der Geburt bei 0,7 % der Frauen und der Säuglinge 23

Anwendungsgebiet und Wirkungsweise

Vitamin D wird benötigt, um Calcium aus der Nahrung aufzunehmen 18.

Täglich 400 IU Vitamin D3 beugen bei Kindern der Mangelrachitis vor, bei der 25(OH)D meist unter 10 ng/mL liegt 18. CYP2R1 in der Leber und CYP27B1 in der Niere hydroxylieren Colecalciferol zu Calcitriol, das an den VDR bindet und TRPV6 und Calbindin-D9k im Darm erhöht 2918.

Aktivierung und Inaktivierung von Vitamin D3Epidermis, endoplasmatisches Retikulum der Leber und Mitochondrien des proximalen Nierentubulus
  1. 7-Dehydrocholesterin
  2. mehrere SchritteUVB-Strahlung öffnet den B-Ring zu Prävitamin D3, das thermisch isomerisiert
  3. Colecalciferol (Vitamin D3)
  4. Vitamin-D-25-Hydroxylase (CYP2R1)Mikrosomales Leberenzym; das Produkt bindet an das Vitamin-D-bindende Protein
  5. Calcifediol (25-Hydroxyvitamin D3)
  6. 25-Hydroxyvitamin-D-1α-Hydroxylase (CYP27B1)Ferredoxin, FerredoxinreduktaseMitochondrial; PTH induziert, FGF23 und Calcitriol supprimieren das Enzym
  7. Calcitriol (1,25-Dihydroxyvitamin D3)
  8. Vitamin-D-24-Hydroxylase (CYP24A1)C-24-Oxidationsweg; Calcitriol und FGF23 induzieren, PTH supprimiert das Enzym
  9. Calcitroinsäure

Im Körper

Colecalciferol wird überwiegend im Fettgewebe gespeichert 12.

Die Halbwertszeit von 25(OH)D beträgt 13 bis 15 Tage, die von Vitamin D3 im Serum etwa 24 Stunden 1230. Thiaziddiuretika verringern die Calciumausscheidung mit dem Urin und erhöhen das Risiko einer Hyperkalzämie; Vitamin D3 kann die Toxizität von Digitalisglykosiden verstärken 21.

Genetische Varianten

Manche Säuglinge erben Defekte, bei denen vorbeugend gegebenes Vitamin D das Calcium im Blut stark erhöht 9.

Ursache ist der biallelische Funktionsverlust von CYP24A1, dessen Produkt Calcitriol abbaut, oder von SLC34A1, einem Phosphattransporter der Niere; in Polen nahm die Zahl der Fälle unter einer Prophylaxe mit dreimal jährlich 300.000 Einheiten zu, und bei allen 11 untersuchten Fällen aus der Vergangenheit fanden sich Mutationen 9.

Abwägung von Nutzen und Schaden

In 81 Studien verringerte Vitamin D weder Frakturen noch Stürze 31.

Von den in VITAL untersuchten Teilnehmenden hatten 12,7 % ein 25(OH)D unter 20 ng/mL, in ViDA 24,9 % 1322.

GruppeNutzenSchwerwiegender Schaden
Ältere Erwachsene, zusammen mit CalciumHüftfrakturen zu Hause 1 weniger je 1000 Personen und Jahr (von 8), in Pflegeeinrichtungen 9 weniger (von 54) 32Steine oder Niereninsuffizienz 9 gegenüber 8 je 10.000 Personen und Jahr 32
Erwachsene ab 50 Jahren, täglich 2000 IU, 5,3 Jahre (25.871)Krebs 793 gegenüber 824; Frakturen 769 gegenüber 782 1333Hyperkalzämie und Steine nicht signifikant häufiger 13
25 Studien, Alter 0 bis 95 Jahre; Daten von 10.933 der 11.321Atemwegsinfektionen Number needed to treat 33; unter 25 nmol/L bei täglicher oder wöchentlicher Gabe 4 34Hyperkalzämie bei 21 von 3850, gleichmäßig auf die Gruppen verteilt 34

Ohne das Arzneimittel

Körperliche Bewegung beugt Stürzen bei älteren Menschen vor, die zu Hause leben 38.

Die Sturzrate betrug das 0,77-Fache der Kontrollgruppen (59 Studien, 12.981 Personen), also 195 Stürze weniger je 1000 Personen und Jahr; für sturzbedingte Frakturen lag das relative Risiko bei 0,73 (niedrige Evidenzqualität) 38. Unter Sonnenlicht entsteht in der Haut Vitamin D3; eine durch UVB verursachte Intoxikation ist nicht beschrieben 19.

Wie die Empfehlungen festgelegt wurden

Die europäische Höchstzufuhrmenge leitet sich von der niedrigsten Dosis ab, unter der das Calcium im Urin wiederholt erhöht war 12.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) teilte die Tagesdosis von 250 µg (10.000 IU), unter der bei 11,3 % gegenüber 4,0 % unter 10 µg eine rezidivierende Hyperkalziurie auftrat, durch 2,5 und erhielt so täglich 100 µg 12.

Absetzen

Nach dem Absetzen sinken die Blutspiegel im Lauf von Wochen bis Monaten 126.

Zwei Jahre nach dem Ende von VITAL unterschied sich die Häufigkeit von Autoimmunerkrankungen nicht mehr: 255 gegenüber 259 Fällen (Hazard Ratio 0,98) 14.

Eine Verordnung wird gemeinsam mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt geändert.